20 | 08 | 2018

Kunst und Kultur

Im Gebiet von Handschuhsheim lebten nachweislich seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend Menschen. Etwa ab 500 v. Chr. siedelten Kelten in der Gegend; auf dem Heiligenberg haben sich Reste eines doppelten keltischen Ringwalls aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. erhalten. Wahrscheinlich sind schon früher Menschen auf den Heiligenberg gestiegen, um dort ihre Gottheiten zu verehren. Um das Jahr 100 v. Chr. mussten die Kelten dem Andrang germanischer Scharen weichen: Die Sueben, die aus dem mittleren Norddeutschland kamen und große Teile Süddeutschlands besiedelten, wurden auch in der Neckargegend ansässig – wenn auch ein nicht unbeträchtlicher Rest von Kelten wohnen blieb. Kurz nach Beginn unserer Zeitrechnung setzten die Römer von Gallien aus über den Rhein und wurden bald die Herren der Gegend. Das eroberte Land – das heutige Gebiet fast ganz Badens mit Teilen von Oberhessen, Württemberg und Bayern – wurde gegen das freie Germanien durch den Limes abgeriegelt. In der Handschuhsheimer Gemarkung sind jedoch nur verhältnismäßig wenig Spuren der Römerzeit zu finden. Im Gewann Entensee lag vermutlich ein römischer Gutshof. Auch unmittelbar südlich der Kirche sind römische Siedlungsspuren gefunden worden. Auf dem Heiligenberg weisen verschiedene Funde darauf hin, dass der Berg auch zu römischer Zeit eine Kultstätte blieb. Die Römer errichteten hier kleine Tempelanlagen, die vor allem dem Mercurius geweiht waren. Im dritten Jahrhundert schließlich begann die Macht der Römer unter dem Ansturm der Germanen zu wanken. Der Limes wurde überrannt und um 260 das gesamte rechtsrheinische Gebiet aufgegeben. Auch die Alemannen, die anschließend die Herrschaft ausübten, blieben nicht lange an der Macht: 496 machte der Frankenkönig Chlodwig I. ihrem Siegeszug nach Westen, der zur Eroberung der Rheinpfalz und des Elsass geführt hatte, ein Ende und verleibte ihr Gebiet dem fränkischen Reich ein – der Vormarsch des Christentums begann. Als Handschuhsheim in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt wurde, waren seine Bewohner längst für das Christentum gewonnen, mochte dieses auch kaum mehr als eine dünne Haut über alten heidnischen Vorstellungen gewesen sein.

Als Hantscuhesheim wird der Ort erstmals 765 im Lorscher Codex erwähnt, war also damals im Besitz des Klosters Lorsch und gehörte zur Schauenburg oberhalb Dossenheims. Es ist wahrscheinlich, dass der Ort damals schon einige Jahrhunderte bestand, die Endung -heim jedoch weist auf eine nachrömische Gründung hin. In der Tiefburg, damals am Rand Handschuhsheims, bewirtschaftete das Ministerialen-Geschlecht der Herren von Handschuhsheim, das 1600 ausstarb, ein Lehnsgut. 774 wird im Gebiet des Ortes eine Kapelle Sankt Nazarius erwähnt. Mit Lorsch gelangte Handschuhshein an Kurmainz, 1461 schließlich an die Kurpfalz. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges diente der Ort dem kaiserlichen General Tilly als Hauptquartier für die Eroberung Heidelbergs. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Handschuhsheim bis auf wenige Gebäude niedergebrannt. Das Dorf wurde 1903 nach Heidelberg eingemeindet. Im Rahmen der Heidelberger Städtepartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Simferopol pflegt der Stadtteil die Freundschaft mit dem dortigen Kiewski Rajon.